Engagement & Corona #2

Freiwilligen Vermittlung Agentur für Neukölln

Engagement & Corona #2

Dezember 2, 2020 Nachricht 0

Die Covid-19-Pandemie stellt für Neukölln eine große Herausforderung dar. Doch seit März 2020 sind die Neuköllner*innen füreinander da und unterstützen sich gegenseitig – auf vielfältige Art und Weise. Anna Morris engagiert sich bei der Corona-Nachbarschaftshilfe und unterstützte etwa ältere Menschen, die besonders von den Beschränkungen der Pandemie betroffen sind. Heute berichtet sie von ihrem Engagement:


“Mein Name ist Anna Morris, ich bin gebürtig aus Eritrea. Mein Beruf ist Kinderkrankenschwester und ich habe jahrelang in Entwicklungsländern mit einer internationalen Organisation gearbeitet. Vor einigen Jahren bin ich in den Ruhestand getreten und lebe heute in Berlin-Neukölln. Als sich das unbekannte Covid-19 in ganz Europa verbreitete, wurde mir klar, dass die Situation ohne Impfstoff sehr ernst werden würde – eine große Herausforderung für die ganze Welt! Mein erster Gedanke war, wenn es der Spanischen Grippe ähnelt, werden wir viele Todesfälle als tragische Realität erleben.


Es war Anfang März 2020, als wir zum ersten Mal feststellten, wie ernst die Situation war! Eines Tages, als ich die Haustür aufmachen wollte, erregte ein Hinweis meine Aufmerksamkeit. In meiner Gegend suchte die Corona-Nachbarschaftshilfe Freiwillige, um Menschen zu helfen: Vor allem ältere Menschen, die in ihren Häusern saßen und nicht in der Lage waren, für den täglichen Bedarf heraus zu gehen. Also stellte ich am nächsten Tag den Kontakt her, schickte alle erforderlichen Dokumente an das Neuköllner EngagementZentrum und wartete auf meine erste Aufgabe.
Bei meinen anschließenden Hausbesuchen war die Reaktion sehr freundlich: Die Menschen waren glücklich, jemanden zu sehen, der ihnen Gesellschaft leistet. Sie fühlten sich in dieser ungewöhnlichen Isolation sicher. Nach den nötigen Unterstützungen, saßen wir zusammen, tranken Kaffee und redeten über interessante Geschichten, aber am Ende war das Thema Corona! Dieses mysteriöse Virus. Ich war fasziniert von den verschiedenen Nationalitäten und ihrer Lebensweise. Ich war froh, diese einmalige Gelegenheit gehabt zu haben, für sie zu sorgen – Corona hat mich den Menschen näher gebracht!


Irgendwann im Mai wurde in der Presse berichtet, dass in der Neuköllner Grenzallee die Corona-Grenzwerte überschritten und somit eine zweiwöchige Quarantäne verhängt wurde! Darunter waren auch Familien einer großen Flüchtlingsunterkunft, die hier vorübergehend lebten. Ich erhielt eine Liste mit Medikamenten, die ich in verschiedenen Apotheken der Stadt sammelte. Eine junge Mutter bat um ein paar Tücher und eine Milchflasche für ihr Neugeborenes. Ich hatte wegen der Quarantäne keinen direkten Kontakt zu den Familien, aber ich konnte sie von ihrem Fenster aus sehen, wie sie winkten, um Danke zu sagen! Es war ein seltsames Gefühl. Doch jedes Mal gaben mir diese Begegnungen ein Gefühl der Menschlichkeit. Jedes Mal, wenn ich nach Hause über die Straße ging, versammelten sich Kinder an den oberen Fenstern und sangen: „Ciao, Mama Corona … danke! Danke dir!“ Für mich waren diese Momente etwas Besonderes. Dennoch habe ich mich oft gefragt, wie Menschen, insbesondere Kinder, die scheinbar endlose Quarantäne verkraften.


Als Kind habe ich gelernt, dass Armut, Hunger und Krankheiten Teil unseres nicht einfachen Lebens sind. Aber ich habe auch gelernt, dass es unsere Aufgabe als Mensch in dieser Welt ist, einander in besonders schwierigen Zeiten zu helfen. Ich lernte, meine Augen nicht zu verschließen und nicht den Rücken zu kehren, etwa indem ich die Hilfe um uns herum, zugunsten von Gier und Egoismus ignoriere. Ich habe mich nie gefragt, warum ich das tue. Für mich gibt es keinen Grund, es ist nicht einfach normal und menschlich. Wir müssen lernen, den Wert des Lebens zu schätzen!


Es war eine positive Erfahrung in meiner neuen Heimat Neukölln, die in vielerlei Hinsicht interessant ist. Mein Wunsch ist es, eines Tages Kindern diese einzigartige Geschichte zu erzählen: Leben in einer Welt von Corona. Vielen Dank an das Neuköllner EngagementZentrum, dass Sie die Hilfe ermöglicht haben! Vielen Dank, dass Sie mir diese einmalige Gelegenheit gegeben haben. Viele von uns werden sich noch lange daran erinnern!”